1. Reisevorbereitung
2008-2009
Durch einen Reisebericht auf der Internetseite der Q-Rider werde ich zum ersten Mal auf die Idee gebracht, mit dem Motorrad nach Marokko zu fahren. In unregelmäßigen Abständen besuche ich die Seite immer wieder und bin gefesselt von den Fotos und den sehr witzig geschriebenen Reiseerlebnissen. Auch die anderen Touren der Q-Rider sind hochinteressant, aber bei Marokko bleibe ich immer wieder hängen.
Dezember 2009 - konkrete Reisepläne
Die Pläne für eine Motorradtour werden konkreter. Draußen herrscht zwar tiefster Winter mit ungeahnten Schneehöhen in ganz Deutschland, aber ich denke nur an die Wüste. Als Mitfahrer haben sich mein Vater Helmut, sein Cousin Jürgen und Norbert aus unserer Motorradtruppe, die sonst jedes Jahr eine größere Tour macht, gefunden. Das Internet wird durchwühlt und ich stoße auf einen kurzen Reisebericht über eine geführte Motorradtour duch Marokko des Veranstalters "Reisen und Erleben" aus St. Wendel.
Anfangs bin ich eher skeptisch: Eine geführte Tour habe ich noch nie mitgemacht. Eine vorgekaute Reiseroute? Alles geplant und immer muss man auf zum nächsten Hotel? Was für Leute fahren mit? Finden wir uns am Ende in eine Truppe Racer oder gemütlichen Choppern wieder, die beide nicht zu unserem Fahrstil passen?
Fragen über Fragen. Ich wälze das Forum des Anbieters. Nur gute Berichte bis auf ein paar Ausnahmen, bei denen schnell klar ist, warum es nicht so gut funktioniert hat. Am Reiseanbieter lag es jedenfalls nicht. Dazu kommt die Erfahrung aus dem letzten Jahr in Ligurien. Ich hatte alle Touren fuer eine Woche vorher geplant und mich damit 14 Tage lang am Rechner bis in die späten Nachstunden gequält. Marokko würde um einiges aufwändiger in der Planung werden. Wie funktioniert die Einreise, finden wir Unterkünfte für uns vier und die Motorräder, was muss man im Land sehen, wo gibt es die schönsten Routen? Alles lösbare Aufgaben, aber dann kommt das wichtigste Argument: Die Vorbereitungszeit, für die mein Job zur Zeit keinen großen Spielraum lässt. Dazu ist der Preis so günstig, dass man vermutlich bei eigener Planung für Fähre und die Hotels mehr Geld ausgeben würde.
Januar 2010 - endlich gebucht
Schliesslich buchen wir die Reise Anfang Januar 2010, kurz danach ist die Reise im April ausgebucht. Glück gehabt! Jetzt heisst es entspannt zurücklegen und nur das Geld überweisen, alles andere regelt "Reisen und Erleben".
März 2010 - Skiurlaub
Immer noch tiefster Winter in Deutschland. Ich fahre noch einmal in den Skiurlaub, die Anfahrt ist der reinste Horror, über 14 Stunden für die Strecke Hannover Ischgl im Schneechaos über Deutschland. Wer kann da an Marokko denken? Der erste Tag in Ischgl, feinster Pulverschnee bei -19 Grad auf dem Berg und Sonne pur! Dann der Schock auf der ersten Talabfahrt, kleiner Sturz mit grossen Folgen. Ich breche mir eine Rippe an. Mein erster Gedanke: Nur noch ein Monat bis zur Marokkotour. Ich fahre noch 2 Tage weiter Ski, dann werden die Schmerzen zu gross, ich setzte einen Tag aus und gehe zum Skiarzt: Sein Tipp: Weiterfahren und nicht mehr auf die gleiche Seite fallen. So habe ich das dann auch gemacht.
Ostern 2010 - letzte Vorbereitungen
Zum Glück schmerzt die Rippe nicht mehr so stark. Das war dann zum Glück doch nur ein leichter Knackser. Die letzten Vorbereitungen für die Reise werden getroffen, ich bestelle erst in der Woche vor der Reise einen neuen Hinterreifen (der alte hätte die Tour dann doch nicht überlebt), den "Lonely Planet" und die Michelinkarte. Das ist der große Nachteil einer geführten Reise. Man ist nicht gezwungen, sich mit dem Reiseland intensiv zu beschäftigen. Daher weiss ich gar nicht genau, was auf mich zukommt. Der Lonely Planet bleibt erstmal ungelesen. Zum Glück finde ich noch zwei frei verfügbare Karten für das Navi im Internet. Eine routingfähige Karte des OpenStreetMap-Projekts und eine sehr gute freie topografische Karte. Damit plane ich so ungefähr die Routen vor. Die GPS-Koordinaten der Hotels finde ich mit Google-Maps auch recht gut.
2 Tage vor der Tour Reifenwechsel und Ölwechsel. Die hinteren Bremsbeläge sehen nicht mehr gut aus, ich nehme auf Verdacht ein Paar mit, die liegen schon seit der letzten Reise hier rum, da dort die hinteren Bremsbeläge auch schon nicht gut aussahen. Irgendwie bin ich im Vorbereitungsstress, obwohl es gar nicht so viel zu tun gibt. Ich kann mich irgendwie nicht auf die Reise freuen, der Gedanke lieber hier zu bleiben überwiegt seltsamerweise. Vermutlich liegt es daran, dass ich mich noch gar nicht mit dem Reiseland auseinandergesetzt habe.
08.04.2010 - Probleme beim Verladen
Die ersten 950km aus dem Landkreis Göttingen bis nach Lyon zur ersten Zwischenübernachtung wollen wir nicht auf eigener Achse fahren. Also kommen die 4 Kühe auf 2 Hänger. Mein Vater hat seinen soliden selbst gebauten Motorradanhänger an Norbert und Jürgen ausgeliehen, wir zwei holen uns in Göttigen einen Leihanhänger.
Dann beginnt eine vierstündige Odyssee im Verladen der beiden Kühe. Der Leihanhänger ist absolut ungeeignet, die Verzurrpunkte sind viel zu nah am Motorrad. Nachdem meine Q so einigermassen steht, stellen wir fest, dass die Q von meinem Vater gar nicht auf der anderen Seite festzuziehen ist. Ich sehe uns schon auf eigener Achse nach Lyon fahren. Also meine Q nochmal runter und die Plätze getauscht. Es wird langsam dunkel, dann endlich stehen die beiden Motorräder, wenn auch nicht besonders gut. Kurzer Anruf bei Norbert und Jürgen: Sie haben selbst als Ungeübte nur eine Dreiviertelstunde zur Verladung gebraucht. Nie wieder verleihen wir unseren schönen Hänger.
Hier gehts weiter zu Teil 2 - Auf nach Barcelona!
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