11.04.2010 - Endlich auf der Fähre
Die Fähre ist zum Glück recht ordentlich. Saubere Kabinen mit Dusche und zumindest die Wegweiser auf dem Schiff lassen fast Kreuzfahrtfeeling aufkommen. Leider ist der Swimming Pool ohne Wasser und zum Raucherbereich umfunktioniert, die Disko ist nun Gebetsraum der Marrokaner und die Bühne des Theaters ist mit Stühlen voll gestellt. Egal, wir sind ja schliesslich nicht mit der Aida unterwegs.
Immerhin gibt es kaltes (und teures) Bier und wahnsinnig guten (und preiswerten) Espresso und Cappuccino. Da merkt man, dass man auf einen italienischen Fähre unterwegs ist. Am Nachmittag wollen wir uns dann in der Gruppe um die nötigen Einreisestempel für die 90? Teilnehmer der Reise kümmern. Beim Treffpunkt an der Rezeption finden sich alle ein, nur unsere "Cheffin" Nadja fehlt. Also hin zur freundlichen Dame an der Rezeption: Wir brauchen das Boardmikrofon um Nadja auszurufen. Wild gestikulierend gibt sie uns zu verstehen, dass wir keine Ansage nur auf Deutsch machen können. Sie redet von Panik, die dann ausbricht, weil ja die Nicht-Deutschsprachigen denken könnnten, dass gleich die Fähre sinkt.
Ok, dann eben schnell den Chefsteward gesucht, der uns auch so nett begrüßt hatte. "No Problemo" Da war das Mirko direkt auf dem Tresen. Wie in einer großen Firma, einfach die Anfragen immer oben in der Hierarchie einkippen, dann klappt alles wunderbar. "S' Nadja von der Gruppe Reisen&Erleben, bitte zur Rezeption auf Ebene 6 kommen, wir warten!" Da kam sie dann auch schon grinsend um die Ecke. Es brach keine Panik aus und niemand hat versucht irgendwelche Rettungsboote zu wassern.
Das Abendessen fällt ziemlich üppig aus, die Portionen reichen für 2 Personen: Antipasti, Nudeln, Hauptgericht mit Pommes und noch Käse als Nachspeise, die Teller passen gar nicht alle auf ein Tablett. Danach gibts draussen an Deck noch einen traumhaften Sonnenuntergang zu bestaunen. Der rote Feuerball versinkt langsam im Meer und wir kommen Akrika immer näher. Nach einem Feierabendbierchen geht es dann ziemlich schnell in die Kojen. Die Anfahrt hat bisher schon ganz schön geschlaucht.
Morgens gehts ziemlich früh raus, obwohl wir noch ein ganzes Stück Fahrt vor uns haben. Der Rhythmus mit dem frühen Aufstehen ist wohl unbewusst schon drin. Dafür werden wir mit einem traumhaften Sonnenaufgang belohnt, der das ganze Schiff in ein wunderbar sanftrotes Licht hüllt. Ein Traum für jeden Fotografen.
Das Kontrastprogramm an diesem Morgen ist das Frühstück. Wo beim Mittag- und Abendessen die Portionen so gross waren, dass man sie kaum tragen konnte, ist nun Schonkost angesagt. Es gibt nur 2 Mini-Brötchen mit Honig oder Marmelade. Wer aus versehen Wurst und Käse mitnimmt, zahlt 8 Euro drauf. Dazu gibt es einen Kaffee, der noch schlechter ist als der in Callela.
In der Zwischenzeit haben unsere Pässe bereits einen marokkanischen Einreisestempel bekommen. Das erste Einreiseformular wurde auch gleich mit ausgefüllt. Jetzt kommt Marokko immer näher, auch wenn wir noch ein paar Stunden vor uns haben. Die Fähre braucht für die insgesamt 1000? Kilometer über 26 Stunden. Also gibt es nochmal Mittag (wieder die bekannten Portionen für zwei).
Endlich habe ich auch mal Zeit mich näher mit Marokko selbst zu beschäftigen. Ich nehme mir den Lonely Planet zur Hand und tauche schon ein wenig ein in eine andere Welt auf einem anderen Kontinent.
Die See wird unruhiger je näher wir zur Meerenge von Gibraltar kommen. Beim Mittagsschlaf rollen wir fast aus den Betten. Das Wetter wird draussen auch ungemütlicher, bedeckter Himmel und ziemlich kalt. Wer bei Afrika nur an Wüste und Hitze denkt, wird hier erstmal eines besseren belehrt.
12.04.2010 - Odyssee am Zoll
Gegen 17:00 Uhr sind wir dann endlich wieder auf den Motorrädern, der Bug öffnet sich und wir fahren die ersten Meter auf afrikanischem Boden. Viel sehen kann man erstmal nicht, nur das Gewusel im Hafen.
Nach einer ersten Passkontrolle und nicht mal 200 Metern Fahrt ist erstmal wieder Stillstand angesagt. Jetzt beginnt die Einreiseodysse. Zunächst gibt mal wieder ein Formular. Neben allen persönlichen Angaben, die wir bereits schon auf der Fähre in ein Formular eingetragen haben, kommt jetzt noch Fahrgestellnummer vom Motorrad und Kennzeichen dazu. Man muss bei der Ausreise auf jeden Fall das Fahrzeug wieder dabei haben, sonst gibt es wohl mächtig Ärger mit dem marrokanischen Zoll. Teuer wird es dann auch.
Zum Ausfüllen des Formulars stehen allerlei Helfer bereit. Doch die sind natürlich auf ein "Bakschisch" (Trinkgeld) aus. Ein weiterer "Hafenarbeiter" ist ein der freundliche ältere Herr (bestimmt über 70), der unentwegt versucht, eiskalte Getränke zu verkaufen. Ich kaufe ein Wasser und eine Cola für einen Euro und kann gleich noch meine eingerosteten Französischkenntnisse etwas trainieren. Ohne sein freundliches Lächeln und die Kleidung (Hemd, Krawatte, Weste) würde er bestimmt viel weniger verkaufen. Ich frage mich, wie lange er hier wohl jeden Tag steht. Bei den Preisen kann sein Gewinn auch nicht allzu hoch sein.
Im Hafen treffen wir auch unsere marokanischen Reisebegleiter Bashir und Mschidou. Ich bin erstaunt wie gut und grammatikalisch perfekt Bashir Deutsch spricht und vermute, dass er in Deutschland studiert hat. Dem ist aber nicht so, Marokko hat er noch nie verlassen. Warum werde ich später erfahren.
Fremdsprachen hat Bashir allein durch Touristen gelernt. Er spricht neben Arabisch und Französisch auch Deutsch, Englisch, Spanisch, Holländisch und Italienisch. Ich bin mir sicher, dass er da auch noch ein paar Sprachen unterschlagen hat. Jedenfalls bin ich völlig baff, als er mit unseren Schweizern ein paar Brocken Schweizerdeutsch spricht.
Mschidou versucht den Ablauf der Zoll- und Einreiseformalitäten etwas zu beschleunigen, was nicht so recht gelingen will. Zunächst muss jeder zur Polizei. Mit Ein-Finger-Suchsystem werden die Daten aus dem Pass abgetippt. Wer am linken Schalter steht muss noch seinen Beruf verraten, am rechten Schalter scheint diese Angabe nicht nötig zu sein. Danach muss jeder zum Zoll. Die grünen Formulare werden von einem Mitarbeiter überprüft, der nach 15 Personen immer zum Stempeln verschwindet. Zwischen Überprüfung, Warten und Stempeln werden dann die Durchschriften wieder an die Fahrer verteilt, Ein heilloses durcheinander! Alles dauert irgendwie ewig und man hat das Gefühl, dass das eigentlich viel schneller gehen würde.
Dann drängelt sich eine Gruppe französischer Motorradfahrer zu "unserem" Zöllner vor. Bei denen geht alles ganz schnell. Hinterher erfahren wir warum: Die Franzosen haben ein ordentliches Schmiergeld bezahlt.
Bachir hatte vor unserer Ankunft eine Batterie für die GS besorgt, die in Barcelona nur noch den Berg runtergerollt ist. Nicht zum letzten Mal zeigt sich hier, wie wertvoll einheimische Unterstüzung ist. Die GS springt mit der marrokanischen Batterie problemlos an. Macht ca. 30 Euro. Warum kostet die beim Händler in Europa eigentlich 120?
Während die letzten aus unserer Gruppe auf ihre grünen Zollformulare warten, machen sich ca. 12 Mitfahrer auf den Weg zu einem marrokanischen Versicherungsbüro direkt auf dem Hafengelände. Es scheinen einige deutsche Versicherungen Marokko aus dem Gültigkeitsbereich ihrer Haftpflichtversicherung herausgenommen zu haben, MA ist bei mir auch auf der Grünen Karte gestrichen.
Gegen eine kleine Gebühr von 60 Euro kaufen wir eine Grenzpolice für die Tage in Marokko. Ohne unseren Bachir hätten wir erstens das Versicherungsbüro nie gefunden und der Abschluss der Verträge hätte sicherlich auch viel länger gedauert. Am Schalter stellt sich dann raus, dass alle, bei denen Marokko in der Grünen Karte gestrichen ist, bei der gleichen Versicherung versichert sind. Mein Kündigungsschreiben fürs Jahresende habe ich jetzt schon fertig.
Chaotischer Verkehr
Nach über drei Stunden sind dann endlich alle Formalitäten erledigt. Wir können endlich die ersten Meter in Marokko fahren. Die 68 Motorräder sind schon ein ziemlich langer Konvoi. Wir haben eine Polizeibegleitung für die 3 Kilometer zum Hotel Intercontinental in Tanger.
Nadja hatte uns auf der Fähre schon auf den chaotischen Verkehr hier vorbereitet. Bloss alle zusammenbleiben, keinen von der Seite reinlassen, alle roten Ampeln überfahren, damit wir keinen im Konvoi verlieren.
Man kann sich aber kaum auf den Verkehr hier vorbereiten. Man muss es einfach erleben. Wir sind natürlich eine imposante Truppe und überall wird gewunken und gehupt. Große Motorräder sind in Marokko selten. Dennoch versuchen immer wieder Fahrzeuge seitlich in den Konvoi zu drängeln. Auch Fußgänger rennen mir mehrmals fast direkt ins Vorderrad. Ich benutze meine Hupe in diesen drei Kilometern vermutlich häufiger als in den 30.000 km vorher. Es bleibt kaum Zeit sich rechts und links umzuschauen, weil man so konzentriert fährt. Die ersten Eindrücke einer sehr lebendigen Stadt mit vielen Menschen konnte ich dann aber doch erhaschen.
GPS Karten gegen einheimisches Bier
Bald darauf sind wir am Hotel, wo ein grosser bewachter Schotterparklplatz für uns bereit steht. Das Einchecken geht erstaunlich schnell, nur den Namen sagen und schon hat man einen Schlüssel in der Hand. Das geht normalerweise nicht so schnell. Eigentlich muss jedes Hotel den Reisepass einziehen und die eigenstempelte Nummer in ein Formular übertragen. Durch die perfekte Organisation auch unserer lokalen Guides ist das ganze schon erledigt, bevor wir überhaupt im Hotel angekommen waren.
Es gibt ein sehr schmackhaftes Abendessen, dazu auch einheimisches Bier. Alle Touristenhotels haben eine Alkohollizenz, die soll zwar nicht günstig sein, aber ich glaube, dass wir an diesem Abend die Summe für das Hotel wieder rausgeholt haben. Der Tag war ziemlich anstrengend, obwohl wir ja nur ein paar Kilometer Motorrad gefahren sind.
Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass ich GPS-Kartenmaterial für die Garmin-Geräte für Marokko auftreiben konnte. Irgendwie war ich da weit besser vorbereitet als unsere Tourguides, die kein digitales Kartenmaterial hatten. Vor 10 Jahren hat es ja aber auch mit Strassenkarten geklappt. Zumindest waren meine freien Karten schnell auf einige andere Navis kopiert und ich musste kaum noch ein Bier selber bezahlen.
Nach dem Essen gehts noch an die Bar. Dort spielt eine Liveband eher europäische Musik und Bier gibt es natürlich auch. Das Hotel versucht offensichtlich auch noch mehr Geld an uns zu verdienenen. Die ganze Bar ist voll mit eher leicht bekleideten jungen Mädchen, die auf Kundschaft warten. Offensichtlich hat sich herumgesprochen, dass hier eine große Gruppe Motorradfahrer angekommen ist. Witzigerweise scheinen sich Bandmitglieder, Hotelpersonal und die jungen Damen zu kennen. Nach und nach verschwinden sie alle, da wir unser Geld wohl doch lieber in Bier anlegen.
Hier gehts weiter zu Teil 4 - Fahrt zur Königsstadt Meknes
Fotoalbum bei Picasa anschauen
![]() |
| Marokko 2010 - Fähre nach Afrika |
Statistik des Streckenabschnitts Barcelona Tanger Die Statistik stimmt natürlich nicht, denn die Fähre ist nicht 432,99 km/h gefahren und wir haben auch nicht 21 Stunden Pause auf See gemacht. Mein Navi war natürlich nicht die ganze Zeit auf Empfang. GPS Track bei Google Maps anschauen GPS Track im gpx-Format herunterladen GPS Track im Google Earth Format herunterladen |
|
Statistik des Streckenabschnitts Tanger Hotel GPS Track bei Google Maps anschauen GPS Track im gpx-Format herunterladen GPS Track im Google Earth Format herunterladen |
Hier gehts weiter zu Teil 4 - Fahrt zur Königsstadt Meknes



