9. Durchs Skigebiet nach Fes

18.04.2010 Erfoud bis Fes 

Heute verlassen wir die Wüste. Die starken Eindrücke des vorherigen Tages haben mich schon wieder die halbe Nacht beschäftigt. Dennoch bin ich morgens munter und fit für die 400 Kilometer nach Norden zur Königsstadt Fes.

Die Landschaft ändert sich wieder schlagartig. Nach wenigen Kilometern ist die Wüste vorbei und es geht wieder hoch ins Gebirge. In Midelt gibt es eine leckere Tajine zum Mittag in einem "gehobenen" Restaurant. Die Preise sind dennoch genauso günstig wie am Straßengrill. Der fleißige Parkplatzeinweiser bekommt auch sein Bakschisch und den beiden Jungs mit den Fossilien schenke ich meine letzten Gummibärchen. Als Dank bekomme ich eine Sandrose aus ihrer Sammlung.

Die Strecke führt weiter durch die Hochebene zwischen Hohem und Mittleren Atlas. Der Höhenmesser steigt nochmal auf über 2200 Meter bis sich in der Nähe von Azrou die Umgebung in eine Mittelgebirgslandschaft verwandelt. In den Zedernwäldern erreichen wir den Lebensraum der Berberaffen, die neben dem Menschen die einzig freilebende Primatenart Europas. Freilebende Affen sind mir beim Gedanken an Marokko auch nicht in den Sinn gekommen. Sie sind ziemlich zutraulich, was unter anderem daran liegt, dass die Touristen jede Menge Apfelsinen und Nüsse verteilen. Einen ganz neugeborenen Babyaffen mit seiner Mama bekommen wir auch zu Gesicht. Der Kleine schläft fest umklammert an Mama ständig ein, ein putziger Anblick.

Wenige Kilometer weiter in Ifrane traut man seinen eigenen Augen nicht. Dieser Ort passt definitiv überhaupt nicht in das bisher Gesehene. Man möchte anhalten und sich kneifen, denn dieser Ort sieht eher aus wie ein europäischer Ski-Ort. Moderne Häuser, gepflegte Parks und überall neue Autos sind ein krasser Kontrast zu allem was ich bisher in Marokko gesehen habe. Skifahren kann man hier im Winter tatsächlich, etwas ausserhalb des Ortes gibt es mehrere Lifte.

Von hier aus sind es nur noch wenige Kilometer bis nach Fes. Wir gönnen uns noch einen frischen Pfefferminztee bis der Himmel bedrohlich dunkel wird. Bis dann alle ihre Regensachen gefunden haben fängt es tatsächlich an zu tröpfeln. Nach wenigen Kilometern ist der Spuk dann wieder vorbei, Regenklamotten lohnen sich in Afrika wohl doch nicht.

Am Ortseingang von Fes empfängt uns ein Marokkaner auf seinem Moped. Er will uns unbedingt in unser Hotel bringen. Mein Navi zeigt einen grundsätzlich anderen Weg und erst habe ich das Gefühl, er will uns zu einer ganz anderen Veranstaltung leiten. Mit gewohnt marokanischem Verkehrsstil drängelt er sich durch den Verkehr, hält Autos im Kreisel an und scheucht uns über rote Ampeln. In Rekordzeit erreichen wir das Hotel. Stolz wie Oskar bekommt er von Thomas die neongelbe "Guide"-Weste. Wir erfahren, dass er der Bruder unserem Einweiser im Hotel ist. Nach einem Gruppenfoto und dem obligatorischem Bakschisch macht er sich auf den Weg um die nächste Gruppe durch den Verkehr zu leiten. Vorher erklärt er uns aber noch seine Mopedbremse. Der Bremshebel hat nämlich gar keine Verbindung mehr nach unten. Auf die Frage nach der Verzögerungseinrichtung zeigt er uns seine Schuhsohlen.


19.04.2010 Medina von Fes

Am Vormittag steht die Stadtbesichtung von Fes auf dem Programm. Leider stehen dafür nur knapp zwei Stunden Zeit zur Verfügung. Viel zu wenig um die mittelalterliche Altstadt zu erkunden. So werden wir regelrecht durch die Souks gescheucht.

Dennoch sind die vielfältigen kleinen Geschäfte und Handwerksbetriebe sehr interessant. Fleischer, Süßwarenhändler, Bäcker, Schneider und viele andere präsentieren ihre Ware auf der Straße. Fahrzeuge sind in den Engen Gassen verboten und so transportieren Esel allerlei Waren wie Wasser, Mehl, Gasflaschen, Bauschutt und vieles mehr. Die Tiere sind leider oft in einem sehr schlechten Zustand, kein Esel sieht so richtig gesund aus.

Ein Höhepunkt auf der Tour durch die Medina ist die seit dem Mittelalter bestehende Gerberei und Färberei. Am Eingang werden frische Minzblätter verteilt, erst oben auf der Aussichtsplatform verstehe ich warum. Ein durchdringender Geruch beisst sich in der Nase fest. Wenn man nicht ständig die Minze vor die Nase hält wird einem schnell übel. Der Anblick der seit dem Mittelalter unveränderten Gerberei- und Färbemethoden macht mich sprachlos. In den hellen Behältern werden die Tierhäute mittels Taubenkot gegerbt. Von Hand wird noch vorhandenes Fett abgekratzt. Die Arbeiter waten mit nackten Beinen durch die knietiefen Bottiche, ein unglaublicher Knochenjob. Wie muss der Gestank dort unten erst sein, zumal es im Sommer auch noch 15 Grad wärmer sein wird als jetzt. Ich kann mir das gar nicht vorstellen.

In den Behältern auf der rechten Seite wird gefärbt. Auch hier stehen die Arbeiter knietief in der Brühe. Offensichtlich gibt es auch Vorarbeiter und Aufpasser, die nicht den härtesten Job in den Bottichen machen müssen. Sie stehen daneben und geben Anweisungen. Die fertigen Häute hängen überall an den seitlichen Gebäuden zur Trocknung. Mehrere hundert Fotos später und tief beeindruckt von der Arbeitsweise werden wir dann eine Etage tiefer in einen großen Verkaufsraum geleitet. Lederjacken, Hüte, Schuhe, Gürtel, alles wird zum Verkauf angeboten. Die Preise sind ordentlich, als ich versuche den Preis eines Gürtels zu verhandeln reagiert der Verkäufer fast erbost. Dabei dachte ich, das gehört in Marokko dazu. Gekauft habe ich dann natürlich nichts mehr.

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Marokko 2010 - Durchs Skigebiet nach Fes
Marokko 2010 - Medina von Fes



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