4. Fahrt zur Königsstadt Meknes

13.04.2010

Abfahrt in Tanger

Die erste Morgen in Afrika ist für uns unerwartet kühl, passend zum Titel meines Reiseberichtes "Land der Gegensätze". Wer bei Afrika nur an Sonne und Hitze gedacht hat, wird an diesem Morgen durch nasse Motorräder vom nächtlichen Regen überrascht.

Wir verlassen in der großen Gruppe Tanger, ohne wirklich etwas von diese Stadt gesehen zu haben. Schon am Anfang der Reise wird klar, dass eine Woche in Marokko natürlich viel zu kurz ist um das Land wirklich kennen zu lernen. Schliesslich haben wir fast 2500 km im Land vor uns.

Nach einem Tankstopp kurz hinter Tanger teilen wir uns in die Gruppen auf. Unsere grüne Gruppe ist schon nicht mehr ganz vollständig, einige wollen lieber allein oder in eigenen Gruppen fahren. Das ist auch ohne Probleme möglich, man kann sich nicht wirklich verfahren.

Müllberge und winkende Kinder

Endlich mal ein paar Kilometer am Stück Motorrad zu fahren tut richtig gut. In den letzten beiden Tagen war das ja gar nicht möglich. Wenn wir mit der Gruppe von Motorrädern auftauchen, sind wir schon immer eine kleine Sensation. Überall werden wir von winkenden Kindern begrüßt, es ist schon manchmal erstaunlich, ihre überaus große Begeisterung zu sehen.

Was mir sofort auf unseren ersten Kilometern auffällt, sind die Berge von Müll, die überall in der Gegend verstreut liegen. Teilweise liegen Berge von Plastik auf wilden Müllkippen am Strassenrand. Der Wind verstreut alles gleichmäßig durch die schöne Landschaft. Auch auffällig sind die vielen Bauprojekte gerade in Nähe zum Strand. Der Tourismus soll für viele Menschen eine Perspektive bieten. Oft sieht man Erwachsene und auch Kinder am Straßenrand, die offensichtlich keine Arbeit haben und den Verlauf des Tages einfach abwarten.

Die erste Medina

Die Strecke führt uns zunächst am Atlantik entlang. Wir erreichen den kleinen Ort Asilah. Die Straße direkt zur Strandpromenade ist durch einen umgestürzten Baukran versperrt, offensichtlich liegt der hier schon länger, die verbogenen Metallteile haben schon ganz schön Rost angesetzt. Mit den Motorrädern fahren wir direkt auf der Strandpromenade um das Hindernis herum zum Eingang der Medina (Altstadt).

Hier wir auf unser Ankommen reagiert, die Restaurants beginnen sofort mit dem Eindecken der Tische. Fliegende Händler verkaufen süße Kekse für 10 Cent, die unglaublich lecker schmecken. Ein Schuhputzer möchte sich an unseren dreckigen Motorradstiefeln ein paar Dirham verdienen. Natürlich sind auch viele Kinder sofort zur Stelle und bestaunen unsere Motorräder. Ein kleiner Mann ist ganz baff, als er eine Runde auf der R1200RT mitfahren darf. Im Cafe um die Ecke trinken wir einen Cappuccino und erkunden danach die Medina. Der Ort ist zwar klein, aber man kann sich auch hier schon in den kleinen Gassen gut verlaufen.

Bei einem kurzen Abstecher zum Strand  in der Nähe von Larache müssen wir auch leider hier feststellen, dass der schöne Sand mit lauter Müll verunreinigt ist. Ausser uns, ein paar verlassenen Umkleidehäuschen und den ganzen Plastikflaschen ist auch niemand hier um in die Wellen zu springen. Dafür ist es aber auch wirklich noch ein wenig kalt.

Auf der Weiterfahrt fallen sehr viele Schlammreste auf, die rechts und links neben der Fahrbahn liegen. Der Schlamm liegt so hoch, dass die Straße hier bestimmt vollständig versunken war. Ende Februar hatte es in dieser Gegend so viel Niederschlag gegeben, dass in der Folge in Meknes ein Minarett einstürzte. 41 Menschen kamen dabei ums Leben.

Tajine zum Mittag

Langsam meldet sich der Magen. Motorrad fahren und neue Eindrücke sammeln macht hungrig! Unser Tourguide Thomas hat das auch gemerkt uns hält an einem typisch marrokanischem Straßenimbiss. Von Bashir hatte ich während der langen Wartezeit am Zoll ein paar Brocken Arabisch erlernt. Mit einem freundlichem "Salam aleikum" als Grußformel werde ich vom Grillmeister sogleich per Handschlag begrüßt. Die Marokkaner freuen sich unglaublich, wenn man als Europäer ein paar Wörter Arabisch kann.

Am Grillstand gibts Tajine: In einem Tongefäß wird Fleisch, Kartoffeln, allerlei Gemüse und Gewürze direkt im Holzfeuer gegargt. Schmeckt einfach sehr lecker! So lecker, dass gar nicht genug Tajines für alle da sind. Zum Glück hängt der weitere Fleischvorrat direkt neben dem Grill. Einfach ein Stück auswählen und schon gibts einen leckeren Spiess oder gegrillte Hackbällchen.

Einmal volltanken, bitte!

Nach der Mittagspause verlassen wir die Küstenregion und es geht weiter ins Landesinnere. Die folgenden 100 Kilometer sind außer einem Tankstopp nicht sehr aufregend. An der Tankstelle werden die großen Motorräder wieder von Händlern umringt. Die gerade eben gepflückten Orangen schmecken unglaublich süß und saftig. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich in Deutschland mal so eine Orange bekommen habe.

Den Tankwart an der Zapfsäule begrüße ich wieder mit einem "Salem aleikum". Sogleich lächelt er, es ist schon unglaublich, was dieser einfache Gruß bewirkt. Gezahlt wird nur mit Bargeld. Man sollte den Betrag recht passend geben, denn das Wechselgeld, dass der Tankwart im großen Bündel in der Hose hat, sieht teilweise kaum noch nach Geld aus. Neben seinen zerfledderten und abgenutzten Scheinen sehen unsere druckfrischen Banknoten aus dem Geldautomaten aus wie Falschgeld.

Weil er so schön getankt hat, gibts ein paar Dirham Trinkgeld. Beim Preis von 90 cent pro Liter kann man sich das auch erlauben und ich frage mich, welches Gehalt der Tankwart hier überhaupt bekommt. Derweil kommt ein uralter Volvo LKW an die Zapfsäule gefahren. Der Fahrer scheint unglaublich stolz, dass wir auf einmal alle unsere Fotoapparate zücken um seinen Oldtimer zu fotografieren.

Tee mit Polizeibewachung

In Sidi Kacem legen wir in einem sehr schicken Cafe eine Pause ein. Es gibt frischen Pfefferminztee, der ein unglaubliches Aroma verbreitet. Wir bleiben wieder nicht lange allein, diesmal gesellt sich eine Polizeistreife dazu. Von der gegenüberliegenden Seite scheinen sie auf uns aufzupassen, obwohl ich nicht das Gefühl habe, dass man uns beschützen müßte. Unsere Reisegruppe ist beim marrokanischen Innenministerium angemeldet. Die Polizei in jeder Region ist über die große Motorradgruppe informiert. Die zahlreichen Polzeistreifen (an jeder großen Kreuzung steht ein Polizist) haben uns auch schon auf dem Weg hierher freundlich durchgewunken. Teilweise wurden sogar andere Verkehrsteilnehmer angehalten, damit wir schneller überholen konnten.

Ankunft in Meknes

Die Polizei in Sidi Kacem hatte uns noch den schönere Nebenstrecke nach Meknes beschrieben. Über ein Hochplateau mit unglaublich riesigen Kakteen geht es schliesslich nach Meknes. Da wir unterwegs einige Pausen und Fotostopps gemacht hatten, kommen wir zu spät zum Treffpunkt. Also schlagen wir uns auf eigene Faust durch den chaotischen Verkehr. Die Hupe konnte ich ja mittlerweile ganz gut bedienen. Zum Glück hatte ich ja auch die GPS-Koordinaten der Hotels.

Wir fahren an der wundervollen Stadtmauer entlang durch ein Tor, bewacht durch Polizei mit Maschinenpistolen, direkt zum zentralen Platz der Innenstadt. Kurz vor Sonnenuntergang bietet sich hier eine sehr schöne Atmosphäre. Sogleich findet sich auch ein Parkplatzanweiser, der bei der Frage nach unserem Hotel immer nur kräftig nickt. Laut GPS müssten wir direkt davor stehen. Allmählich stellt sich heraus, dass der Parkplatzanweiser nur auf ein Bakschisch aus ist und die GPS-Koordinate nur die Stadtmitte darstellt. Zum Glück hat Wolfgang in seiner Original-Garmin-Karte das Hotel dann gefunden. Leider müssen wir wieder ganz aus der Stadt raus, denn das Hotel liegt ganz ausserhalb auf der grünen Wiese. Ohne die falsche GPS Koordinate hätten wir von Meknes überhaupt nichts gesehen.

Hier gehts weiter zu Teil 5 - Über den Mittleren Atlas nach Marrakesh



Fotoalbum bei Picasa anschauen
Marokko 2010 - Fahrt zur Königsstadt Meknes


Statistik des Streckenabschnitts Tanger Meknes

GPS Track bei Google Maps anschauen
GPS Track im gpx-Format herunterladen
GPS Track im Google Earth Format herunterladen


Hier gehts weiter zu Teil 5 - Über den Mittleren Atlas nach Marrakesh