10. Rückfahrt - IMPRESSUM

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19.04.2010 Fes  Tangier

Per Taxi geht es zurück zum Parkplatz wo wir dann Fes in Richtung Norden verlassen. Heute abend werden wir schon wieder auf der Fähre sein. Der schönste Weg dorhin führt direkt durch das Rifgebirge, dem größten Cannabisanbaugebiet der Welt. Es soll schon vorgekommen sein, dass Touristen hier ungewollt als Rauschgiftkuriere missbraucht worden sind. Daher gibt es für die Gegend sogar eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. So schön die Strecke auch sein mag, wir ziehen es vor aussen herum zu fahren.

Unterdessen macht unser Oldtimer Probleme die R75 springt nicht mehr an. Durch Anschieben läßt sie sich zunächst wieder in Betrieb nehmen. Drei Kilometer vor Ouezzane springt sie nach einem Stopp in einer Baustelle gar nicht mehr an. In der brütenden Mittagshitze scheitern mehrere Anschubversuche. Dann wird per Seil angezogen, was gar keine gute Idee war. Reinald stürzt dabei und die BMW verliert danach Öl aus einem Zylinder, der Deckel hat ein Loch. Zum Glück ist ihm nichts passiert, schnell wird aber klar, dass die R75 die letzten 150 Kilometer bis zur Fähre nicht auf eigener Achse schaffen wird. Zur Ausreise muss die Maschine aber zwingend mit auf die Fähre, sonst droht Ärger mit dem marokanischen Zoll.

Thomas bleibt erstmal beim "Unfallort", wir anderen fahren in die nächste Stadt und treffen dort zwei andere Gruppen beim Mittagsimbiss. Mschidou ist auch dabei, telefonisch informiert weiss er schon was los ist. In quasi Nullzeit hat er schon einen "Abschleppdienst" bis nach Tanger organisiert. Der Bruder des Imbissbesitzers hat einen Pick-Up. Somit würden wir es zeitlich bis zur Fähre schaffen. Der ADAC hätte das sicher nicht mehr rechtzeitig geschafft.

Gegen sechs Uhr erreichen wir den Treffpunkt auf einem Supermarktparkplatz kurz vor Tanger. Die letzten Dirham werden in Bier und Ergänzungen zum dürftigen Frühstück auf der Fähre umgesetzt. Im bekannten Konvoi geht es durch die Stadt zum Hafen. Der Pick-Up mit der alten BMW ist schon da, das hat also schonmal geklappt. Die letzten Meter müssen geschoben werden. Die Ausreiseprozedur läuft erstaunlich schnell und problemlos, gar kein Vergleich zur Einreise. Nur als ich meine Kamera in der Halle auspacke gibt es Probleme. Ein Polizist in zivil kommt auf mich zu und gibt zu verstehen, dass ich zwar die anderen Mitglieder unserer Gruppe fotografieren darf, nicht jedoch die Fahrzeuge, die hier bei der Zollkontrolle auseinander genommen werden.

Die Klein-LKW und Busse sind bis unter den Rand gefüllt mit allerlei Gebrauchtwaren. Waschmaschinen, Roller, Autoteile, Fernseher. Auch der Dachgepäckträger ist so voll, dass einge kaum durch das Tor der Halle passen. Die armen Importeure müssen den ganzen Kram hier ausladen, damit der Zoll alles sehen kann. Sie werden hier sicher viel länger festsitzen als wir bei unserer Einreise.

Der nette ältere Getränkeverkäufer ist auch wieder da, er hat mich sogar wieder erkannt. Da ich keinen Durst habe bekommt er mir einfach so ein Trinkgeld, wofür er sich überschwänglich bedankt. Mein mittlerweile etwas aufgetautes Französisch reicht sogar schon für einen kleinen Plausch.

Dann geht es rauf auf die bekannte Fähre, die heute wesentlich voller ist als bei der Hinfahrt. Der Grund ist der Vulkanausbruch auf Island, der den gesamten europäischen Luftverkehr zum Erliegen gebracht hat. Das haben wir alles gar nicht so genau mitbekommen. Im Urlaub hat niemand so richtig die Nachrichten verfolgt. Vom Deck aus kann man den letzten Blick auf das nächtliche Tanger werfen. Bald legt die Fähre ab und die Lichter Afrikas werden kleiner.

Da die Uhren jetzt wieder zwei Stunden vorgestellt werden, gibt es um 2 Uhr nachts ein üppiges Nachtessen. Antipasti, Pasta, Hauptgericht und Käse. Die Italiener haben die Portionen im Vergleich zur Hinfahrt nicht verkleinert. Danach geht es in die Kojen, ich bin hundemüde. Zum Glück ist morgen Ausschlafen angesagt. Das habe ich nach den aufregenden Tagen in Marokko auch bitter nötig.

20.04.2010 Ein Tag auf See

Das Frühstück an Board ist so schlecht wie erwartet. Leider unerwartet trägt meine in Marokko gekaufte Mortadella keinesfalls zur Verbesserung bei. Die schmeckt wie zusammengeklebter Saharasand. Immerhin schmeckt der gekaufte Frischkäse so wie erwartet.

Der heutige Tag besteht nur aus Essen und Ausruhen. Da die Fähre nachts aus Tanger losgefahren ist, haben wir noch eine zweite Nacht vor uns. Die Italiener fahren extra etwas langsamer, damit wir erst am nächsten Morgen in Barcelona ankommen. Also bleibt viel Zeit zum Lesen und Betrachen meiner 16 Gigabyte Bilddaten. Ich weiss jetzt schon, dass das Sortieren wohl einige Woche in Anspruch nehmen wird.

21.04.2010 Europa hat uns wieder

Gewohntes Frühstück. Danach packen wir unsere Sachen und können wieder die staubigen Motorradklamotten anziehen. Vom Heck der Fähre kann man die Einfahrt in den Hafen von Barcelona gut verfolgen. Europa empfängt uns mit warmen Sonnenstrahlen und diversen Drogenspürhunden. Bei der Einreise schauen sich die Spanier einige Motorräder etwas genauer an, darunter auch meins. Das ganze Gepäck wird durchsucht, der Beamte schaut sogar durch die meine Kameraobjektive. Scheint wohl ein beliebtes Versteck zu sein.

Nach der Fähre soll es gleich auf die Autobahn gehen, immerhin stehen heute fast 700 Kilometer bis Lyon auf dem Programm. Nur Thomas fährt irgendwie an jeder Autobahnauffahrt geschickt vorbei. Nach diversen Kilometern Irrfahrt durch Barcelona ein kleiner Schock. Ich sehe, wie Heikes Hinterrad plötzlich blockiert und sie dann abrupt zum Stehen kommt. Zum Glück stürzt sie nicht und ich komme auch rechtzeitig hinter ihr zum Halten.


Die Kette der 650er GS ist abgesprungen und hat sich so verkeilt, dass das Hinterrad sich nicht mehr bewegt. Nachdem die Kette erstmal wieder drauf ist wird schnell klar, dass wir damit nicht mehr weit kommen werden. Ein Glied hat sich teilweise geöffnet, so wird die Kette nicht mehr lange halten. Zum Glück war Thomas GPS aus Versehen auf "Autobahnen vermeiden" eingestellt, ansonsten wäre die Kette bei 140 abgesprungen und hätte sicherlich einen Sturz zur Folge gehabt. 

Ich rufe meinen spanischen Kollegen in Deutschland an. Er organisiert uns telefonisch eine kleine freie BMW-Werkstatt, die einen Kettensatz auf Lager hat. Leider liegt die Werkstatt quasi direkt neben dem Fähranleger. Wir müssen also wieder 12 Kilometer zurück. Mit maximal 40 und verdächtig schlagenden Geräuschen von der 650er geht es wieder ins Zetrum von Barcelona zurück. Zum Glück hält die Kette bis zur Werkstatt.


Der kleine Laden mit einem Schrauber heisst "2 Horas", also 2 Stunden. Für uns lässt er seine Mittagspause aus und nach sage und schreibe 2 Stunden kann das Motorrad wieder abgeholt werden. Falls jemand eine gute und kompetente BMW Werkstatt in Barcelona sucht, hier ist die GPS Koordinate.


Da wir viel Zeit verloren haben geht es fast ohne Pause über die Autobahn nach Lyon. Spät abends erreichen wir das Hotel, zwei Stunden nach uns sind Heike und Reinald auf der 650er mit neuem Kettensatz dann auch endlich da.

22.04.2010 Ab nach Hause

Heute dürfen unsere Motorräder wieder auf den Hänger um die 900 Kilometer nach Norden anzutreten. Nach und nach leert sich der Parklpatz, ich schiesse von jedem noch ein Abschiedsfoto. Das Abenteuer Marokko ist nun endgültig vorbei. Nach 10 Stunden sind wir dann ohne Staus wieder in Göttingen.

Das Fazit dieser Reise ist eindeutig: Marokko, ich komme wieder. Beim nächsten Mal bringe ich aber definitiv mehr Zeit mit!





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Marokko 2010 - Fes Tanger Barcelona Rückfahrt



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